Mein Name ist Svenja Vollbrecht, ich bin 1983 geboren und reite schon seit ich 11 Jahre alt bin. Damals war ich zunächst viel im Gelände unterwegs, bevor ich dann über die Teilnahme an einigen Showprogrammen zum Springreiten kam.

Doch irgendwann wurde ich unzufrieden mit der damaligen FN-Reitweise in unserer Gegend und so wechselte ich mit Anfang 20 vom Spring- zum Westernreiten. Dadurch beschäftigte ich mich zunächst intensiver mit Horsemanship, bevor ich zur Reining kam. 

Nach einigen Jahren war ich jedoch erneut mit vielen Dingen in diesem Bereich sehr unzufrieden, weshalb ich mich wieder auf die Suche nach der für mich wirklich  passenden Reitweise machte. Dadurch landete ich dann letztendlich beim Altkalifornischen Westernreiten. Hier fühle ich mich angekommen, denn hier verbinden sich für mich einfach die Vorteile des Westernreitens mit dem Besten aus den klassischen Konzepten.


Ich bin aber nicht auf diese eine Reitweise festgelegt, denn wer glaubt, dass es nur einen richtigen Weg gibt, der übersieht einfach wie unterschiedlich Pferde, aber auch ihre Reiter sein können. Wie sagte Buck Brannaman so schön:
„There is no mysticism, no magic or only one method in the realm of good horsemanship. It’s knowing that everything you think you know about horses may change with the very next horse.”

Genau das haben die vielen verschiedenen Pferde mit denen ich in meinem Leben nun schon arbeiten durfte, immer wieder bestätigt. Willst du ein Pferd ausbilden statt abrichten und dabei wirklich fair sein, kannst du nicht immer stur einen pauschalen Weg gehen bzw. immer nur ein starres Konzept befolgen. Deshalb informiere ich mich weiterhin über alle Reitweisen und Ausbildungswege, egal ob sie sich nun Légèreté, Akademisch, Barock, Klassisch, Tensegral oder wie auch immer gerade nennen; ich schaue mir alles genau an, probiere aus, hinterfrage und versuche mich so stets immer noch weiter zu entwickeln. In der Pferdewelt hat man einfach nie ausgelernt, auch wenn man sicher umgekehrt das Rad auch nicht ständig neu erfinden muss.

Bei fast allen Reitweisen und Ausbildungswegen mit denen ich mich bisher intensiv beschäftigt habe, gibt es gute Grundgedanken und sie alle haben aus ihrem historischen Hintergrund heraus betrachtet auch ihre Daseinsberechtigung. Allerdings muss man natürlich immer abwägen, ob der Grundgedanke für das jeweilige Pferd auch passt und einzelne Aussagen heute noch unveränderte Gültigkeit besitzen können. 

Was ich damit genau meine? Nehmen wir als Beispiel mal die gerne zitierte H.Dv.12:
Als Heeres-Dienstverordnung wurde sie für Pferde geschrieben, die für den Krieg gezüchtet wurden. Damals züchtete man entsprechend auf Belastbarkeit, Stabilität und mentale Stärke und sicher nicht wie heute, gerne mal nur auf spektakuläre Gänge oder ein besonderes Aussehen.
Es ist also ein guter Leitfaden für stabile Pferde gewesen, die meist recht steif waren und die später hauptsächlich mit Soldaten im Gelände unterwegs sein sollten. Heute haben wir aber oft weiche, wenig belastbare, hypermobile und sehr sensible Pferde, die zudem auch ganz anders genutzt werden sollen. Deshalb kann meiner Meinung nach eben nicht alles aus der H.Dv.12 einfach unüberlegt auf die heutigen Pferde übertragen werden.

Aber egal, ob man sich mit den alten Meistern oder den vielen modernen Strömungen beschäftigt, ich stelle immer wieder fest, dass sich häufig alles ganz wunderbar ergänzen würde, wäre man in der Reiterwelt nicht stattdessen zu sehr damit beschäftigt sich zwanghaft voneinander abgrenzen zu wollen und dadurch leider auch gerne mal in eher befremdliche Extremrichtungen abzudriften.
Mehr Mit- als Gegeneinander bleibt deshalb ein großer Wunsch von mir, weshalb ich auch sehr froh bin, Teil verschiedener Trainer- und Therapeutengruppen zu sein, die im stetigen Austausch miteinander sind und sich gegenseitig unterstützen. Zusammen kann man so viel mehr erreichen.

Um die ganze Flut an verschiedenen Ausbildungssystemen heutzutage aber auch noch besser beurteilen und einordnen zu können, gehen meine Aus- und Fortbildungen schon seit einigen Jahren auch in Richtung Therapie. Dadurch habe ich noch bessere Möglichkeiten, Trainingssysteme in Bezug auf das jeweilige Pferd-Reiter-Paar einordnen und vor allem bei bereits vorhandenen körperlichen Problemen ganzheitlich arbeiten und weiterhelfen zu können. Ich bin seit einigen Jahren deshalb auch als Therapeutin tätig und mittlerweile sogar als Dozentin in der Weiterbildung von Therapeuten.